{"id":1337,"date":"2012-10-13T08:34:47","date_gmt":"2012-10-13T06:34:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1337"},"modified":"2012-10-13T08:34:47","modified_gmt":"2012-10-13T06:34:47","slug":"auf-und-unter-dach-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1337","title":{"rendered":"Auf und unter Dach (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Der Nebel lag noch in den Feldern, die meisten Menschen schliefen an diesem Samstagmorgen noch, als sich Herr Nipp aufmachte, die gro\u00dfe Stadt in allern\u00e4chster Nachbarschaft zu erkunden. Aus der Ferne betrachtet, hat diese Ansammlung an meist doch recht niedrigen Geb\u00e4uden keine besondere Silhouette, ist nicht zu unterscheiden von anderen Ortschaften dieser Gr\u00f6\u00dfe. W\u00e4hrend Frankfurt mit seiner Skyline schon aus der Ferne anzeigt, dass hier das gro\u00dfe Geld sitzt und den Anreisenden in Stauen versetzt, dass es so untypisches in Deutschland gibt. Hier ist alles \u00fcber lange Zeit gewachsen. Hier wird nichts mit Macht und \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Kapital aus Spekulationsgesch\u00e4ften und bei Schiffbruch aus Bankenrettungsfonds, die sich satt aus Steuergeldern speisen, finanziert. Gerade einmal an die 500.000 Menschen leben hier, hat er sich sagen lassen. Also nicht gerade eine der sogenannten Megalopolen. Diese Stadt befindet sich in einem Zusammenhang von weiteren mittleren Gro\u00dfst\u00e4tten, insgesamt m\u00f6gen hier vielleicht 10 Millionen Menschen leben. Aber hier hat jede Gemeinde ihre eigene Verwaltung, deshalb wirkt alles etwas klein und provinziell oder besser l\u00e4ndlich. In den Zwischenzonen finden sich auff\u00e4llig viele Landwirtschaftliche Betriebe, manchmal auch kleinste D\u00f6rfer, die kaum auf einer Landkarte auszumachen sind.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=1338\" rel=\"attachment wp-att-1338\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1338\" title=\"kurz vor hell\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1708-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1708-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1708-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1708-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1708-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1708-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1708-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Herr Nipp hatte die fr\u00fchste Bahn genommen und war beim Hauptbahnhof ausgestiegen. Sein Plan war es, einen ganzen Tag dort zu erleben, dort zu leben. Ohne Geld in der Tasche, nur eine Fahrkarte f\u00fcr den R\u00fcckweg. Auch die Kamera hatte er zu Hause gelassen, er wollte schlie\u00dflich kein Tourist sein, sondern einen Tag lang Mitb\u00fcrger. Man mag dar\u00fcber nun sp\u00f6tteln, aber es war ihm ein echtes Anliegen, quasi als soziale Studie. Die ersten Stunden lief er in aller Seelenruhe durch die noch recht ruhige Innenstadt, schaute sich die Gesch\u00e4fte an, gelangte auf seiner Wanderung sogar bis zu der kleinen Produzentengalerie, in welcher er schon so einige sch\u00f6ne Abende und eine ganze Nacht verbracht hatte. Da es etwas k\u00fchl war, musste er in Bewegung bleiben. Es hei\u00dft ja, eine Stadt schl\u00e4ft nie, hier aber wirkte es mancherorts doch recht idyllisch. Auch wurde er von wirklich niemandem angesprochen. Die Entgegenkommenden waren viel zu sehr mit sich selbst und ihrem Leben besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Ja, an einigen Stellen schliefen auch Menschen drau\u00dfen, das wurde von ihm aufmerksam gesehen. Herr Nipp wusste nicht, ob dieses Schicksal selbst gew\u00e4hlt war oder diese Obdachlosen in eine Situation hineingerutscht waren, die irgendwann wohl aus dem Ruder lief. Nicht alle jedoch sahen v\u00f6llig unzufrieden aus, hatten sich vielleicht mit ihrem Dasein abgefunden. Eigentlich erscheint es unglaublich, in einem der reichsten L\u00e4nder dieser Welt zu leben und trotzdem solches Elend vor Augen zu haben. Er h\u00e4tte gerne etwas gegeben, aber das war jetzt nicht m\u00f6glich. Vielleicht w\u00e4re es auch sinnlos gewesen. Er hatte einmal von einer Aktion geh\u00f6rt, bei der Jugendliche zun\u00e4chst mit Autowaschen und Kuchenverkauf Geld verdient hatten. Am n\u00e4chsten Tag hatten sie allen Vorbeigehenden in der Innenstadt zwei Euro in die Hand gedr\u00fcckt, mit der Aufforderung Gutes zu tun. Auf den ersten Blick ein naiver Plan. Aber wenn mit zwei Euro zwei Kaffe to go kauft und sich dann Zeit l\u00e4sst gemeinsam mit einem dieser Menschen das Warme zu trinken und einige W\u00f6rter zu wechseln, dann macht man den anonymen Obdachlosen zu einen individualen Menschen. Herr Nipp selber hatte so etwas nie ausprobiert, hatte Angst davor.<\/p>\n<p>Einige Trinkhallen hatten schon ge\u00f6ffnet, vielleicht waren sie auch die ganze Nacht ge\u00f6ffnet. Da wollte er allerdings nicht weiter nachforschen. Diese Gesch\u00e4fte, deren soziale Funktion nicht zu untersch\u00e4tzen ist, bieten alles an, vom Bier bis zur Packung Nudeln, von der Zigarette bis zur Tiefk\u00fchlpizza. Wenn es zu seinen Studienzeiten in der unglaubliche gro\u00dfst\u00e4dtischen Metropole Siegen noch gehei\u00dfen hatte, dass Studenten vor sechs aufstehen m\u00fcssen, weil um halb sieben die Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen, kann man hier seine Mahlzeiten zu jeder Zeit erwerben. Und da die meisten Trinkhallen fest in t\u00fcrkischer oder marokkanischer Hand sind, kann man auch orientalische Waren beziehen. Der moderne Kolonialwarenladen, auch wenn es inzwischen seit fast hundert Jahren gl\u00fccklicherweise keine Kolonien mehr gab.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=1339\" rel=\"attachment wp-att-1339\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1339\" title=\"VW-K\u00e4ferwolke\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1709-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1709-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1709-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1709-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1709-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1709-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/IMG_1709-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bemerkenswert sind die in jedem Stadtteil zu findenden Parks, daf\u00fcr gedacht, dem gestressten St\u00e4dter einen Ruhepol zu bieten. Tats\u00e4chlich gehen gerade an sch\u00f6nen Sommertagen viele Menschen dorthin. Suchen sich ein sch\u00f6nes Sonnenpl\u00e4tzchen, das m\u00f6glichst frei von Hundekot oder zerbrochenen Flaschen ist und genie\u00dfen ihr Dasein. Diese gr\u00fcnen Lungen sind inzwischen wahre Biotope geworden. In einigen tummeln sind F\u00fcchse und Marder, Kaninchen und sogar echte Hasen. Man sagt hinter vorgehaltener Hand, dass es mitten in den St\u00e4dten ganze Rotten von Wildschweinen gibt, die in den G\u00e4rten der Nachbarschaft und den M\u00fclleimern ein reichhaltiges Nahrungsangebot haben.* Einen Park durchquerte Herr Nipp und staunte \u00fcber die Reinheit. In Kleinst\u00e4dten, die eine \u00fcberbordende Natur im Umfeld haben, sind solcherart Parks meist wesentlich verdreckter. Der zweite Park, den er an diesem Tag sah kam diesem Bild, welches er sich vorher in seiner Vorstellung gemacht hatte, schon wesentlich n\u00e4her. \u00dcberall flogen Plastikt\u00fcten herum, Flaschen lagen da und irgendwie wirkte alles abgenutzt und syphig. Es stellte sich allerdings heraus, dass dies so arrangiert war, denn gerade wurde hier eine Folge Tatort gedreht. Das Fernsehen braucht Klischees, die Vorurteile der Glotzer wollen best\u00e4tigt werden, niemand w\u00fcrde glauben, wenn es im ehemaligen Kohlenpott einfach h\u00fcbsch auss\u00e4he. Auch wenn die Realit\u00e4t in vielen Bereichen inzwischen ganz anders aussieht, diese St\u00e4dte wirklich ansehnlich geworden sind, so wird sich das Team vor allem die Pl\u00e4tze heraussuchen, die ihm als typisch erscheinen. Und im Revier bieten sich da Schlackehalden, alte Industrieruinen und Arbeiterviertel geradezu an.<\/p>\n<p>Inzwischen war die Zeit recht weit voran geschritten, die Gesch\u00e4fte hatten wohl ge\u00f6ffnet und Herrn Nipp \u00fcberkam ein Gef\u00fchl des Hungers. Er wandte sich also der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone zu und schon nach einer viertel Stunde lief ihm ein alter Bekannter \u00fcber den Weg, der vor einiger Zeit hierher gezogen ihn zu einem Fr\u00fchst\u00fcck einlud. Hei\u00dft es nicht, dass \u201eGott mit die Dummen\u201c ist? Irgendwo in der Bergpredigt hatte Jesus einmal \u00fcber die V\u00f6gel auf dem Felde gesprochen, die nicht s\u00e4en und doch immer satt werden. Genauso kam sich Herr Nipp in diesem Fall vor.<\/p>\n<p>*In Berlin sollen angeblich bis zu 5000 Wildschweine und einiges an Rehwild leben. Es stellt sich hier die Frage, wann die Stadtteile unter interessierten J\u00e4gern als Reviere verpachtet werden. Dazu m\u00fcssten allerdings die sicherheitsbestimmungen etwas gelockert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Nebel lag noch in den Feldern, die meisten Menschen schliefen an diesem Samstagmorgen noch, als sich Herr Nipp aufmachte, die gro\u00dfe Stadt in allern\u00e4chster Nachbarschaft zu erkunden. 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