{"id":1074,"date":"2012-08-28T09:22:16","date_gmt":"2012-08-28T07:22:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1074"},"modified":"2012-08-28T09:22:16","modified_gmt":"2012-08-28T07:22:16","slug":"spuren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?p=1074","title":{"rendered":"Spuren"},"content":{"rendered":"<p>Noch vor 15 Jahren allerorten in den Bergen sah man speckig gl\u00e4nzende Trittsteine auf den vielbegangenen Routen. Von der permanenten Nutzung wanderfreudiger Touristen mit beschlagenen Wanderstiefeln, die man nat\u00fcrlich auch f\u00fcr den leichtesten Spaziergang ab Seilbahnstation anzuziehen hat, anziehen muss. Schlie\u00dflich hat der Mensch Erwartungen zu erf\u00fcllen. Er muss sich \u00fcber \u00c4u\u00dferlichkeiten gegen\u00fcber den Anderen (wer wei\u00df schon, was die denken) beweisen. Und dieses Paar Schuhe hat nun einmal vor drei Wochen 299,- Euro gekostet, deines jedoch, das sieht man an der Farbkombination, ist schon mehr als drei Jahre alt und war damals f\u00fcr gerade mal 249,- Euro zu haben. L\u00e4cherlich.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=1075\" rel=\"attachment wp-att-1075\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1075\" title=\"Felszeichnung\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_11171-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_11171-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_11171-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_11171-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_11171-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_11171-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_11171-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Herr Nipp tr\u00e4gt \u00fcbrigens alte Lederschuhe mit einfacher stark profilierter Gummisohle, die er vor ungef\u00e4hr zehn Jahren f\u00fcr 25 Euro im Ausverkauf hatte erstehen k\u00f6nnen, ein echter Gl\u00fccksgriff. Seit dieser Zeit hat er damit einige Klettersteige und durchaus l\u00e4ngere Wanderungen unternommen, ohne jemals Schwierigkeiten, viel weniger eine Blase bekommen zu haben. Auch weitere schuhbezogene Zwischenf\u00e4lle hatte es dabei noch nie gegeben, wenn man mal von den ver\u00e4chtlichen Blicken einiger entgegenkommender Modewanderer absah. Diese haben eben genau das oben beschriebene Problem, daf\u00fcr allerdings mangelt es ihnen oft an Kondition. Nach wenigen hundert Schritten bleiben sie an der \u00a0n\u00e4chsten der Bergh\u00fctten sitzen und g\u00f6nnen sich erst einmal ein Bier und eine kr\u00e4ftige Mahlzeit. Nur wer gut gegessen hat, kann wandern oder zumindest zur\u00fcck zum Lift kommen.<\/p>\n<p>Die Tourismusindustrie jedenfalls erkannte das grunds\u00e4tzliche Problem mit den speckigen Wanderwegsteinen. Zun\u00e4chst versuchten die betroffenen Gemeinden mit Hilfe von chemischen oder physischen Hilfsmitteln, den Eindruck der Abgewetztheit zu unterbinden. Die Steine wurden abgelaugt, ge\u00e4tzt oder mit Schleifger\u00e4ten traktiert. Dies hatte jedoch gravierende Folgen f\u00fcr die umliegende Botanik und verursachte ganz nebenbei Kosten, die nicht aus dem Gemeindes\u00e4ckel zu tragen waren. Einige Abgeordnete bem\u00e4ngelten au\u00dferdem, dass auf diese Weise die Erosion noch schneller voranschreiten w\u00fcrde. Hatte man doch wahrlich schon genug Angst davor, dass der saure Regen die Felsen wegschmelzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/?attachment_id=1076\" rel=\"attachment wp-att-1076\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-large wp-image-1076\" title=\"Spuren\" src=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_1118-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_1118-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_1118-400x266.jpg 400w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_1118-148x98.jpg 148w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_1118-31x20.jpg 31w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_1118-38x25.jpg 38w, http:\/\/www.herr-nipp.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_1118-322x215.jpg 322w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Letzter Grund sorgte dann wohl mit daf\u00fcr, dass sich Vertreter aller beteiligten Fraktionen des Tourismus in einer geheimen Konferenz zusammensetzten. Zun\u00e4chst wusste man sich kaum zu helfen, niemand hatte eine schl\u00fcssige Idee, das Problem zu l\u00f6sen. Ein Abgesandter der Wander- und Outdoor \u2013 Ausr\u00fcster berichtete in einer Pause ganz nebenbei von einem lange zur\u00fcckliegenden Ereignis: \u201eIch habe vor einigen Jahren in den Sextener Dolomiten einen \u00e4lteren Herrn getroffen, der gro\u00dfe Probleme mit seinen Beinen hatte. Er h\u00e4tte wahrscheinlich \u00fcberhaupt keine Touren mehr gehen k\u00f6nnen, und trotzdem sah man ihn st\u00e4ndig zwar angestrengt, doch gut gelaunt im Hochgebirge herumlaufen. Da er ein cleverer Priester vor dem Herrn war und sich nicht immer auf den Schultern der mitgereisten Neffen aufst\u00fctzen wollte, hatte er sich von Verwandten ausrangierte Skist\u00f6cke ausgeliehen. Nun war er in der Lage, quasi auf allen Vieren, auch heftigere Wanderungen zu meistern. Wer sein Gewicht auf mehr Punkte verteilt, kann sicherer und einfacher gehen.\u201c<\/p>\n<p>Die Geschichte verbreitete sich unter den Anwesenden wie ein Buschfeuer, richtete unerwartet verheerende Gedankenspiele an. Eine Idee griff Raum, eine Neuentdeckung, die ultimative Weiterentwicklung des Wandersports. Wer brauchte bei abtauenden Gletschern noch Eispickel, hier war die Zukunft geboren. Die Idee fand Geh\u00f6r und jeder der Anwesenden erkannte sofort, welches Potential hinter dieser Wanderinnovation von unten stand. Man musste den Menschen nur weismachen, dass es unabdingbar wichtig sei, die Wanderwege mit Hilfe von Hypertechnischen und ultramodernen Aluminium- und Carbonst\u00f6cken zu meistern. Man musste ein Bewusstsein daf\u00fcr schaffen, dass auf diese Weise der gesamte K\u00f6rper mit unglaublich vielen Muskelpartien trainiert werde.<\/p>\n<p>Ja, eine ganz neue Sportbewegung k\u00f6nne hier aufgezogen werden \u2013 mit enormem Wachstumspotential, Breitensport f\u00fcr alle. Das Nordic &#8211; Walking und der Stockentensport waren geboren. Man kann diese quasi kirchliche Innovation gar nicht hoch genug einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Der Abrieb der Titanstahlspitzen dieser St\u00f6cke an den Steinen hatte zur Folge, dass eben diese Kalkbrocken nun stetig Mikrokratzer erhielten. Der Glanz polierter Felsen ging endlich wieder verloren, es kostete noch nicht einmal, im Gegenteil konnte jeder Hersteller dieser St\u00f6cke daran verdienen. Und die einst langweiligen Wanderer f\u00fchlten sich dabei auch noch als hippe Trendsportler. Sogar bei Jugendlichen sind diese St\u00f6cke inzwischen weit verbreitet. Quietschend bunt nat\u00fcrlich, man m\u00f6chte sich schlie\u00dflich von anderen, von den Alten absetzen. Ticktack, Klickklack, Toctoc (je nachdem, welche Marke man sich zugelegt hat) macht es nun in den Dolomiten allerorten. Das erinnert die Gehenden \u00fcbrigens unterbewusst an die Ger\u00e4usche von Highheels und macht auch das gequ\u00e4lteste Wandern endlich sexy. Nun sieht man also seit einigen Jahren neben den typischen Abdr\u00fccken im Wanderkies (kleine Krater, die wirken wie Einschussl\u00f6cher eines Maschinengewehrs) auch die wei\u00dfen feinen Mei\u00dfelspuren der Stockspitzen auf den Steinen. Einer der Mitwanderer Herr Nipps auf einer l\u00e4ngeren Tour meinte, als die sich zu einer Pause gesetzt hatten: \u201eDas sieht auf den Steinen aus, als h\u00e4tte jemand Tic Tac Toe gespielt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch vor 15 Jahren allerorten in den Bergen sah man speckig gl\u00e4nzende Trittsteine auf den vielbegangenen Routen. 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